Heimatfreunde Stadt Kerpen

Charles Schwarz - Spurensuche

Charles Schwarz Titel

Charles Schwarz:

Spurensuche für eine (jüdische) Familiegeschichte“

oder „En quête d’une mémoire familiale“

 

 

 

 

 

 

Charles Schwarz entstammt mütterlicherseits der alteingesessenen jüdischen Familie Leiser in Kerpen. Bei seinem Tod im Jahr 2015 war er der letzte hier geborene Überlebende des Holocaust. Karl-Philipp Schwarz floh 1940 mit seiner Mutter über Belgien nach Frankreich. Während sein bereits 1939 nach Frankreich emigrierter Vater Josef verhaftet, deportiert und an einem unbekannten Ort im Osten ermordet wurde, überlebten Karl-Philipp und seine Mutter Erna im Untergrund. Seine Mutter kehrte nach Kerpen zurück, lebte später in Köln und seit den 1990er Jahren wieder in Frankreich. Karl-Philipp, der sich später Charles nannte, blieb in Frankreich, war aber häufig in Kerpen zu Gast.

 

Erste Kontakte zum Heimatverein entstanden 2008 bei der Eröffnung der Ausstellung „Carpena Judaica. Zur Geschichte der Kerpener Juden seit dem Mittelalter“ und der Präsentation der gleichnamigen Publikation. Charles Schwarz beeindruckte als charmanter und liebenswürdiger Mensch, dessen zurückhaltendes Auftreten uns sehr beschämte. 2011 enthüllte er mit seiner Frau Roselyne das Mahnmal an der Alten Landstraße, auf dem namentlich der ermordeten jüdischen Menschen aller Kerpener Stadtteile gedacht wird. Schließlich kam er 2012 nicht nur mit seiner Frau, sondern wurde auch von seinem Sohn Ariel, der Schwiegertochter und den Enkeln Adrien und Clément begleitet. Charles hatte auf Initiative seines Sohnes Ariel die Geschichte seiner Familie und seine eigene recherchiert und niedergeschrieben. Diese „Spurensuche“ genannte Chronik übergab er den Enkelsöhnen im Lesesaal des Stadtarchivs. Er wollte sie damit an ihre deutschen Wurzeln erinnern, gleichzeitig aber auch die Kerpener Bevölkerung an die jüdischen Familien und Nachbarn in ihrer Stadt.

 

Dass der Heimatverein die „Spurensuche“ als beeindruckende Quelle nicht nur der NS-Zeit und des Holocaust, sondern auch als Zeugnis der jahrhundertealten friedlichen Nachbarschaft zwischen jüdischen und christlichen Menschen in Kerpen nun zweisprachig herausgeben kann, ist einem Gemeinschaftsprojekt in Kerpen zwischen Heimatverein, Stadtarchiv und Europagymnasium geschuldet: ein Französisch-Kurs hat die Chronik übersetzt, ein Geschichtskurs hat danach und anhand weiterer Quellen den digitalen Stadtspaziergang „Charles Schwarz“ (https://biparcours.de/bound/CharlesSchwarz) entwickelt.

 

Der Heimatverein hat die „Spurensuche“ redaktionell bearbeitet, umfassend kommentiert und bebildert und gibt sie nun als Band XVIII in der Publikationsreihe der Heimatfreunde Stadt Kerpen e.V. „Beiträge zur Kerpener Geschichte und Heimatkunde“ heraus.

 

Mit den Lebenserinnerungen von Charles Schwarz besitzen wir in Kerpen eine höchst authentische Quelle über die gnadenlose Ausgrenzung, Vertreibung und Vernichtung von Menschen, die bis 1933 nicht nur in der Mitte unserer Gesellschaft lebten, sondern sie auch prägten. Die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger waren an der Gründung zahlreicher Vereine beteiligt, sie engagierten sich kulturell, gesellschaftlich und politisch. Es muss für uns alle eine dauerhafte Mahnung sein, wie schnell dieses Miteinander zu Gunsten einer erbarmungslosen und brutalen Jagd auf alles Andersartige endete.

 

Charles Schwarz, Spurensuche für eine Familiengeschichte - En quête d‘une mémoire familiale. Die Geschichte einer jüdischen Familie aus Kerpen. Bd. XVIII der Beiträge zur Kerpener Geschichte und Heimatkunde. Kerpen 2020, 188 S., über 100 farbige Abbildungen. ISBN: 978-3-9817777-1-0. 15,- € Für Mitglieder: 10,- €

 

 

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